zurück zuhome zurück zualle Beschreibungen zurück zuBekleidung Die fertige Marionettevorwärts

Die nachfolgende Beschreibung für den Bau eines Spielkreuzes stammt von Ulrich Güttler und ist, wie alle meine Seiten, urheberrechtlich geschützt!
Für die freundliche Genehmigung, diese Bau-Anleitung auf meiner Seite veröffentlichen zu dürfen, nochmals herzlichen Dank an Ulrich.
Für die von mir gezeigte Marionette habe ich ein Kreuz nach dieser Beschreibung hergestellt. Aufgrund der Größe der Puppe mußte ich allerdings die Maße der benötigten Hölzer verändern:

Außerdem habe ich auf die Lederschlaufen für Kopf und Beine verzichtet. Die Beine sind relativ schwer. Deshalb ist es einfacher, die Beinschaukel ohne Lederschlaufe mit dem Daumen zu bewegen. Drückt man die Beinschaukel mit dem Daumen links herunter, hebt sich das rechte Bein, drückt man mit dem Daumen die Schaukel rechts herunter, hebt sich das linke Bein.

Und hier nun die Beschreibung für den Bau des Kreuzes:

 
Spielkreuz ©Ulrich Güttler, Germany

Das Spielkreuz baue ich, ähnlich wie den Körper, aus rechteckigen Holzstäben (Querschnitt z.B.: 15 x 10 mm).

Beachtet bei der Planung auf jeden Fall die "Handgröße" des zukünftigen Spielers!

Beginnen sollte man mit einem Grundgerüst. Es besteht üblicherweise aus einem Längsstab und zwei Querstäben, die fest mit dem Längsstab verbunden werden. Am hinteren Querstab werden später die Schultern der Marionette aufgehängt. Er trägt somit das gesamte Gewicht.

Um ein Verdrehen der Marionette zu vermeiden, sollte er außerdem etwa 1/4 bis 1/5 breiter sein, als die Schulteraufhängungspunkte.


Der vordere Querstab dient zur Aufhängung der Hände. Seine Länge ist von geringer Bedeutung und kann der Einfachheit halber genauso lang sein, wie der hintere.

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Die einfachste Möglichkeit einer Marionette das Laufen beizubringen, ist meiner Meinung nach die Verwendung einer Beinschaukel. Sie besteht aus einem kurzen Sockel, der auf dem Grundgerüst festgeschraubt wird und einem am Sockel beweglich gelagerten Querstab.

Eine bewegliche Lagerung erhaltet Ihr, indem Ihr das Loch im Querstab etwas größer bohrt, als die Schraube im Durchmesser mißt.
Bewegt wird die Beinschaukel mit dem Daumen. Dazu bringt Ihr eine Lederschlaufe an der Unterseite des beweglichen Querstabes an, in die der Daumen genau hineinpaßt. Abstand zur Lagerung und Höhe des Sockels ergibt sich aus der Größe Eurer Hand (einfach ausprobieren).

Schwieriger ist es, die Länge des Querstabes zu bestimmen. Sie hängt mal wieder entscheidend von Eurer Hand und der Größe der Marionette ab. Bei vollem "Daumenausschlag" sollte der Oberschenkel der Marionette etwa 45° angehoben sein (die Beinfäden werden übrigens am Kniegelenk eingehängt).


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Eine Marionette muß natürlich auch Ihren Kopf bewegen können.
Ein T - förmiges Kopfgestell hat sich bei mir bewährt.

Die Maße sollten, wie bei der Schulteraufhängung, die Abstände der drei Aufhängungspunkte am Kopf (Schläfen und Hinterkopf) um ca. 1/4 bis 1/5 überschreiten.

Bei der Anbringung des Kopfgestells am Grundgerüst empfieht es sich, ebenfalls einen kleinen Sockel zu benutzen (ca. 2 cm hoch).
Er verhindert ein Verkrampfen der Hand und schafft ausreichend Platz für die Finger, die später das Spielkreuz tragen sollen.

Das Spielkreuz ist nun nahezu fertig. Gehalten wird es mit kleinem, Ring - und Mittelfinger im hinteren Bereich. Den Zeigefinger in die Schlaufe am Kopfgestell stecken, den Daumen in die Schlaufe der Beinschaukel.

Wenn die Marionette erst einmal angehängt ist, erhält das Spielkreuz eine gewisse Stabilität und es läßt sich ganz locker mit den Fingerspitzen tragen.


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Um die Fäden anzubringen benutze ich kleine Ringschrauben, erhältlich in jedem Baumarkt.
Die Fäden könnt Ihr wahlweise fest oder mit kleinen Schlaufen einhängen, was den Transport der Marionette erleichtert (das Fadengewirr ist später leichter zu entknoten). Drachenschnur eignet sich übrigens hervorragend. Sie ist recht dünn aber gleichzeitig sehr reißfest.

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Das Ablängen der Fäden und Aufhängen der Marionette erfordert etwas Geduld.

Beginnen solltet Ihr mit den Schulterfäden. Sie sollen so lang sein, daß bei stehender Marionette Euer Ellenbogen ca. 120° angewinkelt ist. Mit einem Helfer geht das am Besten.
Zur genauen Ausrichtung der Marionettenschultern könnte Ihr später kleine Knoten in die Tragfäden knüpfen. Dann bringt Ihr einen lockeren Faden zwischen der einzelnen Ringschraube am Ende des Spielkreuzes und den "Lendenwirbeln" der Marionette an.
Wenn ihr mit der freien Hand in diesen Faden greift und das Spielkreuz senkt, verbeugt sich die Marionette.


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Der Kopf wird "freischwebend" am Kopfgestell aufgehängt. Als Halsgelenk benutze ich einen einfachen kurzen Faden. Dadurch erlangt der Kopf eine gute Beweglichkeit in alle Richtungen.
Achtet darauf, daß dieser Halsgelenkfaden nicht so straff gespannt ist, daß er den ganzen Körper anhebt! Der Kopf darf aber auch nicht auf den Schultern aufliegen. Durch Absenken des Spielkreuzes vorn, bei weiterhin straffen Schulterfäden, nickt die Marionette.
Jetzt verbindet Ihr die Kniegelenke mit den Ringschrauben der Beinschaukel. Auch hier die Fäden locker anbringen. Durch Senken und Heben des Daumens hebt die Marionette nun jeweils ein Bein.
Entscheidend für ein ausdrucksvolles Marionettenspiel ist die Gestik. Um mit der freien Hand beide Marionettenhände zu bewegen, bringt Ihr im oberen Drittel zwischen den Handfäden eine zusätzliche Strebe an (ca. 20 - 25 cm) an. So könnt Ihr die Marionettenhände einzeln oder zusammen Heben oder Senken.


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Kompliziert?

Das sieht eigentlich nur so aus. Viele Lösungen und Verbesserungen ergeben sich beim Bau des Spielkreuzes.

Der Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt.
Wenn Ihr häufige Auftritte mit Euren Marionetten plant, könnt Ihr sie auch vierhändig spielen. Dadurch erreicht Ihr viel realistischere Bewegungen. Natürlich müssen die Spielkreuze dafür völlig anders aussehen und es erfordert sicherlich sehr viel Übung mit Eurem Partner.

 

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©UlrichGuettler alle Rechte liegen beim Autor!